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Hiwar Fanni, heißt übersetzt: „künstlerischer Dialog“ und stammt aus dem Arabischen. Es ist ein dreijähriges Austauschprojekt für Kunststudenten aus Deutschland, Syrien, Libanon und Ägypten.

 Im Rahmen des Projektes „Hiwar Fanni“ wird nachfolgend über diese Projekt ausführlich von den über Studenten und Mitarbeitern der Helwan University an der Hochschule für Grafik und Buchkunst berichtet.

Der Gegenbesuch der ägyptischen Studenten in Leipzig beschloss die erste Etappe des auf drei Jahre angelegten Austauschprojektes zwischen der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), Leipzig und den Kunsthochschulen Helwan University, Kairo/Ägypten, der Lebanese University, Tripoli/Libanon und der University of Damascus/Syrien.

Exkursion mit Anke Scharrahs, Restauratorin des Damaskus Zimmers, Ethnologisches Museum Dresden.

Eröffnung der gemeinsamen Ausstellung "48h Kairo", HGB Leipzig, 9.11.2006

An dem Besuchsprogramm haben Studenten und Mitarbeiter verschiedener Fachbereiche der Helwan University, teilgenommen. Darunter das Department of Applied Arts, für Modedesign und Malerei.

Prof. Abd El Aziz Ahmed Gouda
Prof. Ahmed Shehata Abu El Magd
Dr. Amr Mohamed Gmal El Din Hassouna
Dr. Emad El Din Said Gohar

Doha Mostafa El Demerdash
Wedian Talat Abbas Madian
Doaa Mohamed El Said
Eman Mohamed El Bana
Mohamed Ahmed Omar
Rasha Wagdi Khalil
Alaa Mohamed Hasan Ibrahim
Fatma El Zahraa Ahmed
Nansi Nabil Shawki
Heba Mostafa Mahmoud
Dalia Fakher Farid
Dalia Sid Abd El Hadi
Islam Said Hamed
Fatma Farouk Mohamed Soliman
Somaia Mohamed Gad El Rab
Nehal Hsin Bdo
Noha Ahmed Mahmoud Radwan
Sara Said Abd El Alim
Sara Reda Mahmoud El Beltagi

 

 

Ziel des Besuchs der ägyptischen Studenten war die Demonstration von Methoden und Arbeitsweisen unterschiedlicher Fachbereiche, künstlerische, ästhetische und technische Inhalte die in den jeweiligen Lehrplänen der HGB vermittelt werden. In gemeinsamen Workshops hatten die Studenten die Gelegenheit neue Techniken auszuprobieren und zu vergleichen. Darüber hinaus sollte die Arbeit in einer gemeinsamen Werkstatt Raum für eine kritische aber respektvolle Reflexion von Positionen, die von beidseitigen Erwartungen abweichen können, ermöglichen.


Ein begleitendes gemeinsames Kulturprogramm sollte diesen Rahmen erweitern und auch Raum für tiefere persönliche Kontakte geben.

Die vorliegende Dokumentation stützt sich auf Protokolle von Moritz Remé und Edgar Blume, mündlich wie schriftlich gegebene „Feedbacks“ der HGB-Studenten sowie auf die Auswertung von Fragebögen, welche den arabischen Teilnehmern zur projektinternen Bewertung vorgelegt wurden.

 


Zu Beginn des Besuches wurde den Gästen aus Kairo die verschiedene Werkstätten der Universität vorgestellt.

An den folgenden Tagen arbeiteten die ägyptischen und deutschen Studenten in verschiedenen Workshops die von den deutschen Studenten, von Prof. Abdullah und Prof. Frederick Best geleitet wurden.

Die ägyptischen Gäste konnten sich zwischen sechs verschiedenen Workshops entscheiden:

1. Holzschnitt
2. Lithographie
3. Typographie/Handsatz
4. Fotokurs
5. Malerei
6. Video

Der Fotokurs vermittelte dabei Grundlagen der Fotografie, wie Fotogramm und Lochkamera mit gezielt geringem technischem Aufwand, so dass die Aufgaben auch in Kairo mit der dortigen Ausrüstung nachvollzogen werden könnten. Mit den selbstgebauten Lochkameras und zusätzlich mit Einwegkameras haben die Teilnehmer dann ihre Eindrücke in Leipzig dokumentiert und für die gemeinsame Ausstellung aufgearbeitet und teilweise mit individuellen Texten ergänzt.

Im Video-Workshop wurde den Teilnehmern die Grundlagen des Videofilmens und der dokumentarischen Arbeit mit Film vermittelt. In kleinen Gruppen haben die Teilnehmer Leipziger Bürger zu verschiedenen Themen, wie Modeverständnis, Kleidung von muslimischen Mitbürgern etc. befragt und dabei gefilmt. Diese dokumentarische Arbeit wurde gleichzeitig von einer weiteren Beobachterkamera festgehalten um das Vorgehen und die Reaktion der Interviewten anschließend in der Arbeitsgruppe zu reflektieren. Mit dem entstandenen Material wurde den ägyptischen Studenten Schnitt und Produktion eines Videos demonstriert.

Drei Ägypterinnen nahmen in der Klasse für Malerei an den Kursen des Grundstudiums teil. Dort wurden sie mit typisch-europäischen Traditionen in Bezug auf Technik und Bildfindung vertraut gemacht. Sie lernten erst das Herstellen und Grundieren von Leinwänden kennen, da in Kairo lediglich gekaufte Leinwände aus Sperrholz benutzt werden. Ebenfalls wurde ihnen die Technik der Eitempera erklärt mit der sie eineinhalb Wochen arbeiteten.
Unter der Betreuung von Herrn Ebersbach, Frau Kuhnert und dem Studenten Tino Geiss wurde damit ein Stillleben erstellt. Ebenso wurden Körpermodelle, Stillleben, Figuren im Raum gezeichnet und gemalt und durch das Studium am menschlichen Modell neue Erfahrungen, Techniken und der Interpretation erprobt.

Einige der in den Workshops angewandten Techniken waren den ägyptischen Studenten bereits von ihrem Studium her bekannt, während Lithografie z.B. ein gänzlich unbekanntes Gebiet für sie war. Neben der vielfältigen und komfortablen Ausstattung der Werkstätten beeindruckte die ägyptischen Studenten vor allem die Selbstständigkeit, welche deutschen Studenten bei ihrer Arbeit abverlangt wird.

Die während der Arbeit in den Workshops entstandenen Ergebnisse sowie die bereits in Kairo ausgestellten Arbeiten wurden abschließend während einer zweitägigen Ausstellung mit begleitenden Vorträgen über arabische Kalligraphie, das Islamische Bilderverbot u.a. in der HGB gezeigt.

Dadurch bot sich allen Beteiligten der Raum für weiterführende Diskussionen zum Verhältnis von Kunst und Religion, darunter auch der Umgang mit Aktstudien bildender Künstler in Ägypten. In der Diskussion um die Bedeutung des Bilderverbotes für ägyptische Künstler stellte sich heraus, dass speziell für die ägyptischen Studenten das Bilderverbot keine relevante Rolle spielt. Die Gäste wiesen darauf hin, dass das in den Hadithen erwähnte Bilderverbot in seinem historischen Kontext der

Entstehung des Islams zu verstehen sei. Damals ginge es hauptsächlich darum, die sog. Idolatrie (Götzenanbetung) zu bekämpfen.

 

Ein begleitendes Kulturprogramm widmete sich verschiedenen Orten lokaler Kunstgeschichte und dem aktuellen Kunstgeschehen in Leipzig und Umgebung.

Eine Exkursion am ersten Wochenende führte nach Dessau und Berlin. Das Ziel in Dessau waren das Bauhaus und die dortigen Meisterhäuser als Meilensteine der Architektur der klassischen Moderne. Den meisten der ägyptischen Studenten war das „Bauhaus“ bis dahin kaum ein Begriff. Allerdings schien aufgrund dieses fehlenden Basiswissens die Relevanz der Bauhaus-Epoche für die europäische Kulturgeschichte auch schwer vermittelbar.

In Berlin wurde eine Ausstellung der libanesischen Atlas Group und des Künstlers Walid Raad besucht welche sich der Erforschung der jüngeren Geschichte des Libanon widmet.
Fiktive Geschichten als Kunstform, die sich an authentischen Ereignissen oder Dokumenten orientieren, war für die meisten ägyptischen Besucher neu.

Außerdem wurde das sogenannte Aleppo-Zimmer im Museum für islamische Kunst besichtigt. Dieses Zimmer ist nicht nur als ältestes und vollständiges Beispiel einer Holzvertäfelung eines Repräsentationszimmers aus einem christlichen Haus in Aleppo der osmanischen Periode interessant. Seine Einzigartigkeit begründet sich auch in der Verwendung zahlreicher christlicher und islamischer Motive im Stil der islamischen Buchillustrationen. Dadurch ist dieses Zimmer ein Beispiel für religiöse Koexistenz im liberalen Aleppo des 16. jahrhundert, das damals Gästen beider Religionen offen stand.

Anknüpfend an den Besuch des Islamischen Museums fuhr die Gruppe am darauf folgenden Wochenende nach Dresden um dort das sogenannte Damaskuszimmer, aus dem 18. Jahrhundert zu besuchen. Hier standen vor allem die Erläuterungen von Anke Scharrahs in Zentrum, die in einem speziellen Verfahren den Erhalt der ursprünglichen Bemalung und Substanz ermöglicht. Dieses Verfahren ist eine Neuerung in der Restauration Islamischer Kunst, da die alte, bedrohte Substanz meist entfernt und ersetzt wird. Der Ausflug wurde durch den Besuch den „Neuen Meister“, mit einer Sonderaustellung zum in Dresden gesammelten Impressionisten abgerundet.

Ein Ausflugsziel ganz anderer Art war der Besuch des Kyffhäuser-Denkmals für Kaiser Wilhelm I., welcher 1871 zum ersten Kaiser des Deutschen Reiches gekrönt wurde. Neben der Geschichte des Denkmals faszinierte aber vor allem Lage und Aussicht.

Der Bogen deutscher Geschichte wurde weitergespannt mit einem Besuch des nahe gelegenen Panorama Museums am Südhang des Kyffhäusergebirges in Bad Frankenhausen mit dem Panoramagemälde Werner Tübkes. Historischer Hintergrund war eine der bedeutendsten Schlachten des deutschen Bauernkrieges 1525, in deren Verlauf Thomas Müntzer, der geistige Führer der Aufständischen, gefangen genommen und nachfolgend hingerichtet wurde.
Werner Tübke (1929 – 2004) war seit 1973 Rektor der HGB und gilt als Vertreter der sogenannten Leipziger Schule. Er gab das Amt des Rektors jedoch mit Auftragsübernahme des Monumentalwerks im Jahre 1976 wieder auf. Die Fertigstellung des Gemäldes dauerte schließlich bis 1987.

Generell lassen sich die im letzten Protokoll (siehe Protokoll Kairo Reise der HGB) gegebenen Empfehlungen für die Weiterführung des Projektes bestätigen:

1. Von den Leipziger Studenten wurde eine bessere Abstimmung der beteiligten Altersgruppen gewünscht, da die meisten ägyptischen Studenten bedeutend jünger waren, was einen Meinungsaustausch auf persönlicher wie fachlicher Ebene erschwerte.

2. Eine vorausschauende Abstimmung mit den Kooperationspartnern, was die am Austausch und Workshop beteiligten Fächer betrifft, könnte dem Selbstverständnis vieler HGB-Studenten als freie Künstler (im Gegensatz zur Modeabteilung der Helwan University) besser Rechnung tragen.

3. Eine vorausgehende Einschätzung des Niveaus der Workshopteilnehmer vor Ort, könnte die HGB-Studenten auf eine evtl. entstehende Lehrerrolle hier wie dort vorbereiten.

4. Bei der Vor- wie Nachbereitung könnte man verstärkt Vorträge über interkulturelle, kulturhistorische sowie soziale und aktuelle gesellschaftspolitische Themen andenken.

5. Jenseits eines Workshops wäre ein Rahmen-Kulturprogramm mit einem Schwerpunkt auf Museen und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst anstrebenswert. Unterschiede zwischen Hochschulkunst/staatlicher Kunst und Freier Kunstszene sowie versteckte strukturelle Zwänge und unterschiedliche Entwicklungen könnten so möglicher Weise sichtbar und nachvollziehbar werden. Bei begrenzten organisatorischen Kapazitäten wäre es z.B. durchaus denkbar, diese Besuche individuell durchführen zu lassen.

6. Das Workshopprogramm sollte sich noch stärker auf Bereiche konzentrieren, in denen die beteilgten Partner eine Entwicklung eigener fachlicher und didaktischer Kapazitäten wünschen.

Die Empfehlungen und Anmerkungen dieses Workshops und des vorhergehenden in Leipzig, sollten unbedingt Gegenstand des im Frühjahr in Tripoly geplanten Treffens zwischen den beteiligten Projektpartnern sein.

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